11.7.2014: Der 2. Band des Kapital – Dokumentation

RLC Essen: Kaufen und Verkaufen – über die Stellung des 2. Bandes des Marx’schen Kapital

cooler marx

Am 11. Juli 2014 veranstaltete der Rosa-Luxemburg-Club Essen die Veranstaltung: „Kaufen und Verkaufen – über die Stellung des 2. Bandes des Marx’schen Kapital“. Das Thema stieß, obwohl  es einen speziellen Aspekt marx’scher Theorie beleuchtet – auf eine gute Resonanz. TeilnehmerInnen betonten, dass es in Essen eben seit Jahren kaum Angebote zu vertieften gesellschaftstheoretischen Fragen gegeben hat.

Anne-Kathrin Krug, die eine große Erfahrung als Teamerin von Kapital-Lesekreisen mitbringt, vollbrachte das Kunststück, sowohl die am Text des 2. Bandes gebundenen Fragen des Essener Kapital-Lesekreises zu beantworten – als auch weniger Textbewanderten einen Einblick in die Gedanken des 2. Bandes zu geben.

Sie ordnete in ihrem Vortrag zunächst den 2. Band in das Marx`sche Gesamtwerk ein. Es wurde klar, dass der Erste Band des Kapitals die Produktion in der kapitalistischen Gesellschaft behandelt, d.h. die Zusammenhänge, wie im Kapitalismus Waren hergestellt werden. Antrieb ist der Gewinn des Kapitalisten (Unternehmers), der aus der Aneignung des Mehrwertes basiert, der wiederum durch die ArbeiterInnen geschaffen wird.

Im 2. Band geht es hingegen um die Zirkulation des Kapitals, grob gesagt die Vorgänge, die mit Käufen und Verkäufen verbunden sind. Diskussion unter den Teilnehmenden provozierte die Ansicht von Marx, dass Arbeit, die in der Zirkulation erbracht wird, keinen ökonomischen Wert bildet. Vielmehr ist sie vom Profit des Kapitalisten in Abzug zu bringen. Trifft es zu, dass beispielsweise die Kassiererin im Supermarkt nicht von Ausbeutung betroffen ist? Anne-Kathrin Krug bot eine Lösung an, nach der im übertragenen Sinne von Ausbeutung gesprochen werden kann: Die ArbeiterInnen in der Zirkulation erhalten nicht die gesamten Kosten, die der Handelskapitalist vom Mehrwert in Abzug bringt, als Lohn, sondern nur einen Teil.

Im weiteren Verlauf der Veranstaltung ging es um verschiedene Formen der kapitalistischen Krisen. Es wurde deutlich, dass die Zirkulation des Geldes eine ganz bestimmte Verteilung der Produktion von Produktionsmitteln und Konsummitteln voraussetzt. Abstimmung findet aber nicht statt, sodass immer wieder Ungleichgewichte in der Verteilung des Kapitals auftreten, die Ausgangspunkt für Krisen sind.

In diesen und weiteren Diskussionen zu vielfältigen Fragen der Veranstaltung wurde auch deutlich, dass die Forderung nach einer Gesellschaft, die auf den Prinzipien der Solidarität und Kooperation anstatt auf Ausbeutung und Konkurrenz aufbaut, an seiner Aktualität nichts eingebüßt hat.

äufe, die über den Arbeitsprozess hinausgehen. Marx beschreibt, warum diese Zwischenschritte für die Realisierung des Mehrwerts notwendig sind und weitet den Blick auf die gesamt-ökonomische Perspektive. Kapitalistische Krisen sind ebenso Thema wie die Tendenz des Kapitals zu Wachstum und fortlaufender Beschleunigung. Es lohnt sich also, sich einmal etwas genauer mit dem 2. Band zu beschäftigen.

Anne-Kathrin Krug (Kapital-Teamerin aus Berlin) wird im Dialog mit den Teilnehmenden einen einführenden Überblick über den Marx’schen 2. Band geben und weiterführende Fragen beantworten. Die Veranstaltung ist sowohl für Marx-Interessierte geeignet, die das Kapital (noch) nicht gelesen haben, als auch für Fortgeschritte mit einigen Vorkenntnissen.

Freitag, 11. Juli, 19 Uhr

 

Kneipe Ampütte (Nebenraum)

 

Rüttenscheider Str. 42, Essen