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Zum Faschismus

Einen Begriff mit Bedeutung versehen.

von Patrick Münch

„Für alle reicht es nicht.“ So Heiner Müller. In genialer Verkürzung bringt der Dichter es auf den Punkt. Hunger, Elend, Leid sind notwendig, wenn ein kleiner Teil der Menschheit ein bequemes Leben, ein noch viel kleinerer Teil ein Leben im Reichtum für sich in Anspruch nehmen wollen.

Der Krieg gegen die Überflüssigen, die Armen, diejenigen, die keiner Vernutzung zugeführt werden können, wird erbarmungslos geführt. Ungezählte Millionen sind ihm zum Opfer geworden. Und doch behauptet der Bürger frech: Die Würde des Menschen ist unantastbar.

Faschismus auf den Begriff bringen. Das hat zur Voraussetzung, die gesellschaftlichen Verhältnisse darzustellen, in denen es möglich ist, ungezählte Leben der Vernichtung preiszugeben. Was sind also diese Verhältnisse?

Der Mensch als Ware

Dass alles als Ware auf dem Markt angeboten und nachgefragt wird. Auch der Mensch selbst, dessen Würde davon gänzlich unberührt bleibt! Aber wehe dem Menschen, der nicht nachgefragt wird. In den meisten Fällen bedeutet das seinen Untergang, ganz einfach durch Verhungern.

In den sehr reichen Ländern dieser Welt, den imperialistischen Zentren, bleibt den Überschüssigen das Schicksal ihrer Leidensgenossen aus der Peripherie erspart. Sie müssen nicht verhungern sondern werden armengespeist. Freilich verwahrlosen sie, werden krank, verlieren aber nicht ihre Würde. Denn diese ist laut Gesetz – unantastbar.

Was ist also Faschismus? Der Mensch als Ware auf einem Markt, dessen Gesetzen er auf Gedeih und Verderb ausgeliefert ist. Angebot und Nachfrage entscheiden über Leben oder Tod. Für viele ein Leben ohne menschliche Entwicklung in Kunst und Kultur, für viele der Untergang.

Aber wie dem Faschismus begegnen? Ist diese Welt nicht von Menschen eingerichtet, ist sie nicht von Menschen in allen ihren Erscheinungsformen so gemacht, wie sie ist? Ist also nicht der Faschismus ein Werk – der Menschen?

Wenn wir nicht darauf zurückfallen wollen, dass ein Gott verantwortlich ist, dann können nur wir Menschen verantwortlich sein für die Verhältnisse, in denen wir leben. Aber dann sind es auch wir Menschen, die diese Verhältnisse selbst gestalten können.

Faschismus ist die Reduktion des Menschen auf seine Warenform. Als solche ist er den Gesetzen des Marktes unterworfen. Der Antifaschismus ist die Aufhebung dieser Warenform, indem der Mensch als gesellschaftliches Wesen sich entwickeln und entfalten kann.

Der Kampf gegen den Faschismus ist deshalb der Kampf gegen alle Verhältnisse, die den Menschen zur Ware erniedrigen und ihn den Gesetzen des Marktes unterwerfen.

Der Faschismus als heutige Gesellschaftsform kann überwunden werden, wenn die Menschen sich dessen bewusst werden, dass sie selbst es sind, die über ihr Schicksal bestimmen. Keine höhere Macht, kein Gott, kein Markt, nur der Mensch selbst entscheidet, wie er sich vergesellschaftet.

Friede den Hütten – Krieg den Palästen!